Schwarz, Gelb und Schokoladenbraun sind die drei offiziell anerkannten Farben des Labrador Retrievers. Daneben tauchen seit einigen Jahren zunehmend Bezeichnungen wie Silber, Charcoal oder Champagner auf. Dieser Beitrag erklärt, welche Gene hinter den Labrador-Farben stecken, zeigt die Unterschiede in einer Tabelle und ordnet ein, warum die sogenannten „Sonderfarben“ züchterisch und gesundheitlich umstritten sind.
Welche Gene bestimmen die Farbe eines Labradors?
Die Fellfarbe eines Labradors wird im Kern von zwei Genorten gesteuert, zu denen bei den selteneren Farbvarianten noch ein dritter hinzukommt.
Das B-Gen bestimmt, ob das dunkle Pigment Eumelanin als Schwarz (dominantes Allel B) oder als Braun (rezessives Allel b) ausgeprägt wird. Ein Hund mit mindestens einem B-Allel ist schwarz, ein Hund mit zwei b-Allelen (bb) ist schokoladenbraun.
Das E-Gen steuert, ob überhaupt dunkles Eumelanin gebildet werden kann oder ob stattdessen das gelb-rote Pigment Phäomelanin überwiegt. Hunde mit zwei rezessiven e-Allelen (ee) sind unabhängig von ihrem B-Gen gelb, da die Bildung von schwarzem oder braunem Pigment im Fell blockiert wird.
Das D-Gen (Dilution-Locus) ist für die zusätzlichen „Verdünnungsfarben“ verantwortlich. Liegt die rezessive Variante in doppelter Ausführung vor (dd), wird die eigentliche Grundfarbe aufgehellt: Aus Schwarz wird ein bläulich-graues Charcoal, aus Schokobraun wird Silber und aus Gelb wird ein blasses Champagner.
Farbtabelle im Überblick
| Farbe | Zugrundeliegende Genetik | Entstehung | Status im Rassestandard |
|---|---|---|---|
| Schwarz | Mindestens ein B-Allel, mindestens ein E-Allel | Grundfarbe, kein Verdünnungsgen aktiv | Offiziell anerkannt (FCI/VDH) |
| Gelb | ee-Genotyp am E-Locus, unabhängig vom B-Gen | Phäomelanin überwiegt, Eumelanin wird im Fell unterdrückt | Offiziell anerkannt, Farbspektrum von Hellcreme bis Fuchsrot |
| Schokobraun | bb-Genotyp am B-Locus | Verändertes Eumelanin ergibt braunes statt schwarzes Pigment | Offiziell anerkannt |
| Silber | bb am B-Locus plus dd am D-Locus | Dilution-Gen hellt Schokobraun zu einem grausilbrigen Ton auf | Nicht im FCI/VDH-Standard anerkannt |
| Charcoal | B-Allel vorhanden plus dd am D-Locus | Dilution-Gen hellt Schwarz zu einem bläulich-grauen Ton auf | Nicht im FCI/VDH-Standard anerkannt |
| Champagner | ee am E-Locus plus dd am D-Locus | Dilution-Gen hellt Gelb zu einem sehr blassen Creme-Ton auf | Nicht im FCI/VDH-Standard anerkannt |
Warum Silber, Charcoal und Champagner umstritten sind
Anders als Schwarz, Gelb und Schoko sind die verdünnten Farbschläge im FCI- und VDH-Rassestandard nicht vorgesehen und werden dementsprechend nur außerhalb der etablierten Zuchtverbände von privaten Vereinen und Einzelzüchtern angeboten. Ein Grund dafür ist neben der reinen Standardfrage die Herkunft des Dilution-Gens, dessen Auftreten beim Labrador in der Fachdiskussion teils auf frühere Einkreuzungen anderer Rassen zurückgeführt wird.
Hinzu kommt ein gesundheitlicher Aspekt: Das Dilution-Gen kann mit einer Mutation gekoppelt sein, die die nicht heilbare Hauterkrankung Color Dilution Alopecia (CDA) auslösen kann. Betroffene Hunde entwickeln typischerweise zwischen der achten Lebenswoche und dem zweiten Lebensjahr brüchiges Haar, dauerhaft kahle Stellen vor allem am Rücken sowie trockene, gereizte und juckende Haut. Aus Tierschutzsicht wird die gezielte Zucht auf diese Trendfarben deshalb kritisch gesehen.
Ein Hinweis zu Schokobraun
Auch bei der offiziell anerkannten Farbe Schoko lohnt ein zweiter Blick auf die Genetik. Eine großangelegte Auswertung tierärztlicher Daten von über 33.000 Labradoren zeigte, dass schokoladenbraune Hunde im Schnitt eine kürzere Lebenserwartung hatten als ihre schwarzen oder gelben Artgenossen, unter anderem verbunden mit einer erhöhten Rate an Haut- und Ohrenerkrankungen. Da braunes Fell nur entsteht, wenn beide Elterntiere das rezessive b-Allel tragen, könnte laut den Studienautoren eine dadurch eingeschränkte genetische Vielfalt eine Rolle spielen.
Fazit
Die drei klassischen Labrador-Farben Schwarz, Gelb und Schoko lassen sich genetisch auf das Zusammenspiel von B- und E-Gen zurückführen und sind fest im Rassestandard verankert. Silber, Charcoal und Champagner entstehen zusätzlich durch das Dilution-Gen, gelten aber nicht als anerkannte Rassefarben und werden mit einem erhöhten Risiko für die Hauterkrankung CDA in Verbindung gebracht. Wer einen gesunden, standardkonformen Labrador sucht, ist mit den drei klassischen Farben in der Regel auf der sichereren Seite, unabhängig davon, welche Farbe einem optisch am besten gefällt.
Quellen
- The Kennel Club (UK): Coat Colour DNA Test – Dilute (D1 Variant)
- Landestierschutzbeauftragte Baden-Württemberg: Aufklärungsflyer Labrador-Sonderfarben und CDA
- web.de Wissen: Warum braune Labradore im Schnitt kürzer leben
- Deutscher Retriever Club e.V. (DRC): Internationaler FCI-Rassestandard Nr. 122